(Lesezeit ca. 4 Min)

Nach der Startseite ist sie fast immer die meistbesuchte Unterseite: die Über-mich-Seite.

Und fast immer die schwächste. Studium, Stationen, Zertifikate, ein Satz über die Familie, ein Foto am Schreibtisch. Sauber, korrekt, chronologisch.

Nur eben keine Geschichte.

Michael Hauge berät seit 1985 Hollywood-Studios in Sachen Story-Struktur und überträgt dieselbe Systematik auf Business-Inhalte. Seine Kernthese: Nicht die Fakten überzeugen ein Publikum, sondern die emotionale Reise, die es nachvollzieht.

Heute sprechen wir darüber, was Deiner Über-mich-Seite fehlt, welche sechs Schritte sie stattdessen braucht — und wo Du den Stoff dafür findest.

#1 Chronologie ist keine Geschichte

Eine Aufzählung von Stationen hat alles, was eine Biografie braucht, und nichts, was eine Geschichte ausmacht.

Was fehlt, ist Widerstand.

Hauge formuliert das unmissverständlich: Konflikt ist die Quelle der Emotion. Ohne echten Widerstand gibt es keine Wirkung — egal wie beeindruckend die Stationen sind.

Genau deshalb liest sich die typische Über-mich-Seite wie ein Lebenslauf mit besseren Adjektiven. Alles ging aufwärts, alles war Entwicklung, nirgends stand etwas auf dem Spiel. Und weil nichts auf dem Spiel stand, bleibt auch nichts hängen.

#2 Die sechs Schritte

Die sechs Schritte einer Erfolgsgeschichte nach Michael Hauge als emotionale Kurve: Setup, Crisis, Pursuit, Conflict, Climax, Aftermath

Hauges Struktur ist dieselbe für einen Kinofilm und für eine Kundengeschichte:

Setup — das Vorher-Bild. Wie sah der Alltag aus, bevor sich etwas änderte.

Crisis — der Auslöser. Das konkrete Ereignis, das zum Handeln zwang, einschließlich des Zögerns davor.

Pursuit — der Weg. Mindestens zwei konkrete Handlungen, und wer dabei angeleitet hat.

Conflict — der Widerstand. Was von außen und von innen im Weg stand.

Climax — der Moment, in dem das Ziel erreicht war, samt der Reaktion darauf.

Aftermath — das Nachher-Bild. Wie das Leben danach aussieht.

Der letzte Schritt ist der, an dem eine Über-mich-Seite verkauft, ohne zu verkaufen. Denn das Nachher-Bild sollte laut Hauge so gezeichnet sein, dass es dem Wunschbild entspricht, das Deine Zielgruppe für sich selbst hat.

#3 Empathie entsteht am Anfang, nicht in der Mitte

Ein Detail, das den Unterschied macht: Empathie muss laut Hauge direkt bei der Einführung entstehen. Eine Figur, die erst in der Mitte sympathisch wird, macht die Geschichte reicher — aber sie erzeugt keine Identifikation mehr.

Für Deine Seite heißt das: Der erste Absatz entscheidet. Wer mit „Nach meinem Studium der Betriebswirtschaft…“ anfängt, hat ihn verschenkt.

Hauge nennt drei Wege, Empathie herzustellen, und alle bauen auf Konflikt auf:

Unverdientes Pech — jemandem widerfährt etwas, das er nicht verschuldet hat.

Etwas steht auf dem Spiel — die Gefahr, etwas Wichtiges zu verlieren. Job, Zuhause, Würde.

Sympathiewert — die Person verhält sich anderen gegenüber hilfsbereit, und andere zeigen das sichtbar.

Nichts davon setzt eine dramatische Biografie voraus. Es setzt voraus, dass Du einen Moment auswählst, in dem etwas offen war.

#4 Follow the Pain: wo Du Deinen Stoff findest

Hauges Antwort auf die Frage, woher man solche Geschichten nimmt, ist unbequem: Durchsuche gezielt die schmerzhaftesten eigenen Erfahrungen. Verlust, Scheitern, Verlegenheit.

Nicht weil Leid verkauft. Sondern weil dort die Transformation liegt — und Transformation ist das, was ein Publikum berührt.

Der übliche Einwand kommt sofort: Das wirkt unprofessionell. Ich halte das für eine Verwechslung. Unprofessionell ist Jammern. Etwas anderes ist ein Rückschlag, den Du überwunden hast und über den Du souverän sprichst — der macht Dich glaubwürdig, nicht kleiner.

Umgekehrt gilt: Die makellose Version ist die unglaubwürdige. Niemand hat eine Laufbahn ohne eine einzige schlechte Entscheidung.

Eine Grenze ziehe ich trotzdem: Erzähl nur, was Du wirklich erzählen willst. Eine Geschichte, die Dir beim Schreiben unangenehm ist, wird auch beim Lesen unangenehm.

#5 Was Du jetzt tun solltest

  • Streich den ersten Absatz und schreib ihn neu. Er soll nicht sagen, wer Du bist, sondern zeigen, was auf dem Spiel stand.
  • Benenne den Widerstand. Ein Satz zu dem, was schiefging. Ohne den bleibt es ein Lebenslauf.
  • Zeichne das Nachher-Bild. Und prüf, ob es dem Bild entspricht, das Deine Kunden für sich selbst wollen.
  • Schreib die Geschichte in einem Zug und kürz danach. Der Kritiker kommt später — die Rohfassung darf zu lang sein.
  • Verteil die Geschichte, statt sie am Stück zu erzählen. Hauge empfiehlt für längere Formate, sie in Abschnitten über den Text zu legen. Auf einer Seite heißt das: nicht ein Block Biografie, sondern Bogen über die ganze Seite.

Ein paar abschließende Worte…

Fakten kann jeder aufzählen, und alle tun es. Deshalb entscheidet die Über-mich-Seite so selten etwas.

Was sie entscheiden könnte: dass jemand nach dem Lesen das Gefühl hat, Dich ein Stück zu kennen — und deshalb lieber Dich anfragt als den technisch gleichwertigen Anbieter daneben.

Dafür brauchst Du kein Drama. Du brauchst einen Moment, in dem etwas offen war, und die Ehrlichkeit, ihn nicht wegzuglätten.

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Hinterlasse mir gerne einen Kommentar: Steht auf Deiner Über-mich-Seite irgendwo, was mal nicht funktioniert hat?

PS: Bitte teile diesen Artikel auf Social Media, sodass auch andere aufhören, ihren Lebenslauf für eine Geschichte zu halten…


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Torsten
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Torsten hilft ambitionierten Einzelunternehmern, sich mit ihrem Thema als Experte zu positionieren. Sei es das passende Zielbild zu erstellen, die eigene Online Präsenz aufzubauen oder den eigenen Expertenstatus zu etablieren.

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