Die beste Idee kommt beim Laufen. Oder im Auto. Oder zwei Minuten bevor Du einschläfst.
Und abends am Schreibtisch? Weg. Du weißt noch, dass da was war. Mehr nicht.
Dann sitzt Du vor dem leeren Dokument und wartest darauf, dass Dir etwas einfällt. Das nennt man dann Schreibblockade.
Ist es aber nicht. Dir fällt ständig etwas ein — Du hältst es nur nicht fest.
Genau dafür nutze ich seit Jahren einen Brain Dump: eine einzige Datei, in die alles reinfliegt, was mir unterwegs durch den Kopf geht. Ungefiltert, unsortiert, oft diktiert. Und wenn ich mich hinsetze, um einen Artikel zu schreiben, fange ich nie bei null an.
Heute sprechen wir über die drei Schritte, mit denen daraus ein fertiger Beitrag wird — und über die eine Regel, an der die meisten scheitern.
Der leere Bildschirm ist ein Symptom, keine Ursache
Die meisten behandeln Schreibblockaden als Schreibproblem. Sie suchen nach Formulierungstricks, nach Schreibroutinen, nach der richtigen Tageszeit.
Das Problem sitzt aber eine Stufe früher.
Wer ohne Material anfängt, muss zwei Dinge gleichzeitig tun: denken und formulieren. Das sind zwei völlig verschiedene Jobs, und sie blockieren sich gegenseitig. Du suchst nach dem nächsten Gedanken und nach dem nächsten Satz — im selben Moment.
Wer mit Material anfängt, muss nur noch formulieren. Das ist der ganze Unterschied. Und deshalb funktioniert jeder Schreibtipp erst, wenn davor gesammelt wurde.
Schritt 1: Der Brain Dump — erfassen, sonst nichts
Unterwegs gilt genau eine Aufgabe: festhalten. Nicht sortieren, nicht bewerten, nicht ausformulieren.
Bei mir dauert das 15 Sekunden. App auf, ans Ende der Datei, Mikrofon antippen, Gedanken diktieren, App zu. Fertig.
Drei Regeln, die den Unterschied machen:
Eine einzige Datei. Nicht fünf Apps, nicht ein Ordnersystem. Wer unterwegs erst überlegen muss, wo etwas hingehört, notiert es gar nicht. Welche App Du nimmst, ist fast egal — Notizen, OneNote, Google Keep, alles recht. Hauptsache immer dieselbe.
Nicht bewerten. Auch der halbgare Gedanke kommt rein. Ob eine Idee taugt, entscheidest Du am Schreibtisch, nicht an der Ampel. Wer beim Erfassen schon filtert, erfasst deutlich weniger — und filtert dabei ausgerechnet das Ungewohnte weg.
Diktieren statt tippen. Gesprochen bekommst Du in 15 Sekunden drei Sätze statt drei Wörtern. Und Du klingst dabei wie Du selbst, was später Gold wert ist.
Schritt 2: Sortieren — einmal pro Woche, mit KI
Einmal in der Woche setze ich mich mit der Sammlung hin und lasse sie mir von der KI ordnen. Nicht bewerten lassen — ordnen.
Der Auftrag ist simpel: Gruppiere diese Notizen nach Themen und zeig mir, wo mehrere Einträge auf dasselbe hinauslaufen.
Was dabei passiert, ist der eigentliche Gewinn. Aus dreißig Zeilen Chaos werden vier oder fünf Themenblöcke. Und der Block mit den meisten Einträgen ist fast immer das Thema, das Dich gerade wirklich beschäftigt — also das, worüber Du am besten schreibst.
Das ist eine Information, die Du nie bekommst, wenn Du Dich hinsetzt und überlegst, worüber Du schreiben könntest. Dein Brain Dump kennt Deine Themen besser als Dein Gedächtnis.
Aus jedem Block wird dann eine grobe Gliederung. Fünf Überschriften, mehr nicht.
Schritt 3: Ausformulieren — und warum die KI das nicht übernimmt
Jetzt kommt der Teil, bei dem die meisten abkürzen und dafür teuer bezahlen: Sie lassen den Artikel schreiben.
Mache ich nicht. Aus einem einfachen Grund — Deine Leser kommen nicht wegen der Information. Die bekommen sie überall. Sie kommen wegen Deiner Sicht darauf. Und die kann kein Modell erfinden, weil sie in Deinem Kopf liegt und nicht im Internet.
Mein Ablauf ist deshalb umgekehrt: Ich rede zu jedem Gliederungspunkt drauflos — wieder diktiert, wieder ungefiltert. Die KI macht daraus lesbare Absätze und sagt mir, wo ein Gedanke fehlt oder ein Beispiel. Danach gehe ich noch einmal drüber.
Die KI räumt auf und stellt Fragen. Geschrieben hast Du.
Was Du jetzt tun solltest
- Leg heute Deine Datei an. Eine Notiz, ein Name, egal welche App. Der Aufwand ist zwei Minuten, und ohne diesen Schritt passiert nichts weiter.
- Pack sie auf den Startbildschirm. Was Du suchen musst, benutzt Du nicht. Diese eine Hürde entscheidet, ob die Methode hält.
- Diktiere, statt zu tippen. Gerade unterwegs. Rechtschreibung ist völlig egal, das Ding liest niemand außer Dir.
- Setz Dir einen festen Termin zum Sortieren. Einmal die Woche, eine halbe Stunde. Ohne Termin wächst der Brain Dump zur Müllhalde statt zum Materiallager.
- Lass Dir helfen, aber gib das Schreiben nicht ab. KI zum Ordnen und Nachfragen, ja. Zum Ersetzen Deiner Stimme, nein.
Ein paar abschließende Worte…
Der Brain Dump ist keine Produktivitätsmethode, an der Du Dich abarbeiten musst. Er ist eine Entlastung: Du musst Dir nichts mehr merken und beim Schreiben nicht mehr aus dem Nichts anfangen.
Erfassen und Verarbeiten zu trennen ist unspektakulär. Aber genau deshalb hält es — es kostet Dich unterwegs 15 Sekunden und am Schreibtisch eine halbe Stunde in der Woche.
Hinterlasse mir gerne einen Kommentar: Wo landen Deine Ideen gerade — und findest Du sie wieder?
PS: Bitte teile diesen Artikel auf Social Media, sodass auch andere ambitionierte Unternehmer ihre Ideen nicht mehr verlieren…
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