(Lesezeit ca. 4 Min)

Zuerst erschienen im September 2021, grundlegend überarbeitet im August 2026 — mit dem, was ich seitdem an meinem eigenen Bestand gelernt habe.

Du hast über Jahre Beiträge veröffentlicht. Irgendwann willst Du wissen, was davon eigentlich noch etwas taugt.

Und dann stehst Du vor der eigentlichen Hürde: nicht der Analyse selbst, sondern der Übersicht. Bei zweihundert Beiträgen weißt Du nach einer Stunde nicht mehr, welche Du schon angesehen hast.

Für die Content-Analyse brauchst Du dafür keine Marketing-Software mit Monatsgebühr. Du brauchst eine Liste, ein paar Zahlen und ein Verfahren — und alle drei bekommst Du mit Mitteln, die Du wahrscheinlich schon hast.

Heute sprechen wir darüber, wie Du in zehn Minuten an Deine vollständige Beitragsliste kommst, welche vier Spalten reichen, was KI dabei kann und was nicht — und warum ich mein eigenes Werkzeug seit 2021 gewechselt habe.

#1 Die Liste, die alles einfacher macht

Jede Content-Analyse scheitert oder gelingt an derselben Stelle: Hast Du eine vollständige Liste Deiner Beiträge, oder klickst Du Dich durch das Backend?

Die gute Nachricht: WordPress gibt sie Dir heraus, ohne dass Du etwas installieren musst. Deine Beitragsübersicht lässt sich mit dem Bordmittel-Export als Datei ziehen, und wer es genauer will, hängt an die eigene Adresse  /wp-json/wp/v2/posts?per_page=100  an und bekommt alle Beiträge mit Titel, Datum und Adresse als Rohdaten.

Ich habe das bei meinem eigenen Bestand gemacht und dabei etwas gefunden, das mir vorher nicht klar war: Die Verteilung über die Jahre war völlig ungleichmäßig — mit einer Lücke von zwei Jahren, die ich im Alltag nie bemerkt hatte. Eine Liste zeigt Dir solche Dinge in fünf Minuten. Gefühlte Erinnerung zeigt sie nie.

#2 Content-Analyse in vier Spalten

Nimm die Liste für Deine Content-Analyse in eine Tabelle — Tabellenkalkulation, Notizprogramm, egal. Vier Spalten genügen für eine belastbare Entscheidung:

  • Titel und Adresse — damit Du wiederfindest, worüber Du gerade entscheidest.
  • Veröffentlichungsdatum — Alter allein ist kein Fehler, aber es zeigt, wo Werkzeug- und Zahlenangaben verdächtig sind.
  • Besucher der letzten zwölf Monate — aus Deiner Statistik oder der Search Console. Ohne diese Spalte rätst Du.
  • Entscheidung — behalten, aktualisieren, zusammenlegen, löschen. Genau vier Möglichkeiten, mehr gibt es nicht.

Was Du dafür brauchst, hast Du bereits. Was ich 2021 hier empfohlen habe — verschiedene Werkzeuge für Projektverwaltung, Übersicht und Notizen — war eine Antwort auf ein Problem, das man mit einer einzigen Tabelle löst.

#3 Was KI dabei kann — und was nicht

Das ist der Teil der Content-Analyse, den es 2021 noch nicht gab.

Was gut funktioniert: Titel gegeneinander halten und Themenüberschneidungen finden. Genau das ist die Frage, die man von Hand kaum beantworten kann — welche zwei Beiträge machen sich gegenseitig Konkurrenz? Bei meinem Bestand kam dabei ein Paar heraus, das ich seit Jahren übersehen hatte: zwei Beiträge zum selben Thema, aus verschiedenen Jahren, die dieselbe Suchanfrage bedienen.

Was ebenfalls funktioniert: aus einer langen Liste Muster ziehen. Häufungen, Lücken, Themen, die einmal auftauchen und nie wieder.

Was nicht funktioniert: die Entscheidung selbst. Ob ein Beitrag aktualisiert oder gelöscht wird, hängt daran, ob er zu Deiner heutigen Positionierung passt — und das weiß nur der Mensch, der die Positionierung getroffen hat.

Und was Du prüfen musst: Zahlen. Ein Sprachmodell zählt nicht zuverlässig. Wenn es Dir sagt, wie viele Beiträge Du hast, prüf das gegen Deine Liste — sonst arbeitest Du mit einer erfundenen Grundlage.

#4 Warum ich mein Werkzeug gewechselt habe

2021 stand hier, dass ich Evernote nutze. Das stimmt nicht mehr, und der Grund ist lehrreicher als jede Werkzeugempfehlung.

Ich bin auf ein Programm umgestiegen, das Notizen als einfache Textdateien auf meiner Festplatte ablegt — bei mir Obsidian, aber der Name ist nicht der Punkt. Der Punkt ist das Format: Wenn Deine Inhalte in einem geschlossenen System liegen, hängst Du an Preisentscheidungen und Weiterbestand eines Anbieters. Liegen sie als Textdateien bei Dir, kannst Du das Programm jederzeit wechseln, ohne etwas zu verlieren.

Der Umzug selbst war mühsam. Genau deshalb schreibe ich es hier hin: Es ist derselbe Fehler, der auch bei WordPress-Erweiterungen teuer wird — sich an fremde Systeme binden, ohne den Ausgang zu kennen.

Für die Content-Analyse heißt das ganz praktisch: Nimm für Deine Tabelle ein Format, das Du in zehn Jahren noch öffnen kannst.

#5 Was Du jetzt tun solltest

  • Zieh Dir die vollständige Liste Deiner Beiträge. Zehn Minuten, keine Installation nötig.
  • Ergänze die Besucherzahlen der letzten zwölf Monate. Ohne sie ist alles Weitere Meinung.
  • Lass die Titel auf Überschneidungen prüfen. Zwei Beiträge zur selben Frage sind der häufigste versteckte Fehler.
  • Entscheide in vier Kategorien, nicht in Nuancen. Behalten, aktualisieren, zusammenlegen, löschen.
  • Fang mit fünf Beiträgen an, nicht mit zweihundert. Die ersten fünf zeigen Dir, ob Dein Verfahren taugt.

Ein paar abschließende Worte…

Eine Einschränkung gehört dazu: Diese Art der Content-Analyse zeigt Dir, was los ist, nicht warum. Dass ein Beitrag keine Besucher hat, kann am Thema liegen, am Titel, an der Konkurrenz oder daran, dass niemand danach sucht. Die Zahl sagt Dir nur, wo Du hinsehen sollst.

Und der unangenehme Teil: Die meisten machen diese Analyse nicht, weil das Ergebnis wehtut. Man findet Beiträge, in denen Arbeit steckt und die trotzdem niemand liest.

Das ist aber kein Argument gegen die Analyse, sondern das beste dafür. Denn was Du nicht gemessen hast, kannst Du nicht verbessern — und was Du nicht verbesserst, arbeitet weiter gegen Dich.

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar: Weißt Du, wie viele Beiträge auf Deiner Seite stehen — auf zehn genau?

PS: Bitte teile diesen Artikel auf Social Media, sodass auch andere ihren Bestand einmal ansehen, statt immer nur nachzulegen…


Weiterempfehlungen


Torsten
Torsten

Torsten hilft ambitionierten Einzelunternehmern, sich mit ihrem Thema als Experte zu positionieren. Sei es das passende Zielbild zu erstellen, die eigene Online Präsenz aufzubauen oder den eigenen Expertenstatus zu etablieren.

Kommentiere diesen Beitrag

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.